21.07.10
Tour durchs Testgebiet in Sachen Demografie

Von EGMAR GEBERT (VS)
Veit Wolpert, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, startete gestern seine Sommerreise durch Sachsen-Anhalt im Norden des Landes. Während des Besuchs der Stendaler Volksstimme-Redaktion sprach er über Reiseziele – sowohl geografische als auch inhaltliche – und positionierte sich zu aktuellen Themen wie die Gebietsreform und die Folgen der demografischen Entwicklung.

 Erste Station der Sommerreise des FDP-Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Veit Wolpert (Mitte), war die Stendaler Redaktion der Volksstimme. Gemeinsam mit dem Kreisvorsitzenden der Liberalen, Marcus Faber (links), und Redakteur Egmar Gebert stöberte er im Archiv der Volksstimme und fand schließlich die Ausgabe, die an seinem Geburtstag erschein – am 20. August 1960.Foto: Reinhard Opitz
|
|
Stendal. Zwei Wochen später als im vergangenen Jahr brach Veit Wolpert gestern zu seiner Sommereise durch Sachsen-Anhalt auf. Allerdings hat der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt dafür eine plausible Erklärung. Der frisch Vermählte kam direkt aus den Flitterwochen nach Stendal, der ersten Station der Politiker-Tour. Nach 23 Jahren in "wilder Ehe" und aus dem wohl schönsten Grund, vor 15 Monaten noch einmal Vater geworden zu sein, wollten er und seine Lebenspartnerin nun "geordnete Verhältnisse", erklärte er mit einem Lächeln.
Das Schmunzeln verging dem Liberalen, der auch Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl 2011 ist, als er auf die Gebietsreform angesprochen wird. Sie ist eines der Themen, über die er in den kommenden drei Sommertour-Wochen mit Kommunalpolitikern reden möchte.
"Diese Gebietsreform ist ein einziges Murksding. Da wird mit Zwang etwas durchgedrückt, um dann plötzlich festzustellen: Wir haben da ein Problem mit der Demokratie und der demokratischen Vertretung der Orte. Die einzige Aufgabe, die auf die Gemeinden zukommt, ist, dass sie neben dem Gemeinderat nun auch noch die Ortsräte bezahlen müssen." Ein Punkt, in dem Wolpert dem ihn gestern begleitenden Kreisvorsitzenden der FDP, Marcus Faber, aus dem Herzen spricht: "Wenn man die Gemeinden in neue Strukturen zwingt, sie vor neue, größere Aufgaben stellt, diese aber nicht ausreichend finanziell untersetzt, dann frustriert das die Leute, ist Fabers Erfahrung aus den vergangenen Wochen und Monaten.
"Wir sind die ersten, die Lösungen für diese Probleme finden werden"
Das zweite Thema – für Veit Wolpert eines der spannendsten überhaupt –, um das es gestern während des Gesprächs in der Volksstimme-Redaktion ging, ist die demografische Entwicklung.
"Da haben wir im Osten so ein bisschen Versuchscharakter für die ganze Republik. Wir sind die ersten, die Lösungsansätze für die damit verbundenen Probleme finden müssen und auch werden", ist Wolpert überzeugt.
Szenarien, nach denen in der Altmark perspektivisch Dörfer aufgrund des Bevölkerungsschwundes aufgegeben werden müssen, redet er nicht das Wort. Im Gegenteil. Wolpert fordert von der Politik Flexibilität, um solchen Orten Perspektiven zu geben. "Insellösungen" müssten ermöglicht werden, damit der ländliche Raum mit seinen Stärken punkten könne. Lösungen, die zum Beispiel das Bauen in solchen Regionen erleichtern, die helfen, kleine Schulen zu erhalten, den Nahverkehr abzusichern oder ehrenamtliches Engagement für diese und in diesen Dörfern zu fördern.
"Wir brauchen Lösungen, um attraktive Lebensräume auf dem Land zu erhalten." Attraktive Wohnstandorte brauche es zum Beispiel vor dem Hintergrund, dass Fachkräfte, die in der Altmark gebraucht werden, auch künftig gern hier leben beziehungsweise die Altmark so attraktiv erleben, dass sie sich hier ansiedeln möchten.
Aufgabe der Politik sei es, auch und gerade auf diesem Gebiet Rahmenbedingungen für positive Entwicklungen zu schaffen. Dazu brauche es ein ziemlich genaues Bild von der Situation im Land, so Veit Wolpert.
"Wir müssen attraktive Lebensräume auf dem Land erhalten"
Sich dieses Bild verschaffen, genau das ist der Anspruch, mit dem er gestern seine Sommerreise durch das Land in dessen strukturschwachem Norden begann. "Ich möchte so viele wie möglich an Informationen tanken. Die sind Puzzleteile, die sich dann zu diesem Bild zusammenfügen lassen."
Die ersten Puzzleteile aus der Altmark fand er nach dem gestrigen Besuch der Stendaler Volksstimme-Redaktion in Tangermünde. Bewusst gewählte Station, denn der FDP-Spitzenmann Wolpert war 2003 das letzte Mal in der Stadt an der Elbe und habe sie als "eine der schönsten Ecken in unserem Land" in Erinnerung. Tourismus als Wirtschaftsfaktor, sollte eines der Themen sein, über das er mit seinen Gesprächspartnern am Nachmittag während eines Stadtrundgangs, eines Besuchs im Schlosshotel und bei den Herstellern der Tangermünder Nährstangen reden wollte.
Die weiteren Stationen in der ersten von drei Sommertour-Wochen Veit Wolpert werden Salzwedel, der Salzlandkreis und der Bördekreis sein.
[ document info ]
Von Egmar Gebert
Copyright © Volksstimme.de 2010
Dokument erstellt am 20.07.2010 um 06:46:24 Uhr
Erscheinungsdatum 20.07.2010 | Ausgabe: obg
|