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Ein Blick zurück: Zeiten und Menschen in Stendal

 

Kommunalpolitische, kulturelle und vor allem persönliche, menschliche Beziehungen zwischen den alten Hansestädten Lemgo und Stendal, zwischen dem Lipperland und der Altmark bestehen bereits seit dem Jahre 1985. Nach der Einigung Deutschlands haben sie sich noch vertieft und erweitert. So nahmen z.B. auch die Liberalen der Kreise Lippe und Stendal Kontakte auf.

 

Historische Parallelen aus dem Mittelalter zwischen beiden genannten Städten lassen sich leicht finden. So ging die Gründung beider Marktorte um die Mitte des 12. Jahrhunderts von den miteinander befreundeten Grafen Bernhard von der Lippe und Albrecht von Ballenstedt aus. Die Grafschaft Lippe und die Altmark nahmen ihre eigene territoriale Entwicklung im Ergebnis der Zersplitterung des alten Stammesherzogtums Sachsens nach dem Scheitern der ehrgeizigen Politik Henrichs des Löwen.

 

Im Unterschied zu Lippe, das im Wesentlichen in seinen historischen Grenzen verharrte, erweiterten unsere Marktgrafen seit dem 13. Jahrhundert ihre Macht über die alte Elbgrenze des Deutschen Reiches in Richtung Osten. Stendal konnte sich in jener Zeit wie eine freie Stadt als bürgerliches Gemeinwesen entfalten.

 

Die Kontakte zu den führenden Hansestädten im Norden waren eng. Fernhandel, Finanzgeschäfte und kulturelle Gemeinsamkeiten verbanden die Kaufmannsgilden und die von ihnen regierten Städten. Die stattlichen Zeugen der Kraft Stendals – besonders im 15. Jahrhundert – bieten sich dem Besucher der Stadt und des Altmärkischen Museums dar.

 

In Konkurrenz zu der 1188 eingerichteten Domschule gründeten die Stendaler Patrizier 1338 eine eigene Lateinschule, die in lückenloser Tradition heute als Winckelmann-Gymnasium wirkt. Aus dem Jahre 1448 stammt eine Orgeltabulatur des Schulrektors Adam Ileborgh. Schon bald nach der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern druckte Joachim Westfal 1487 in Stendal lateinische Schulbücher und den Sachsenspiegel. Wir erwähnen hier nur am Rande, dass Mitglieder der in Stendal lange Zeit ansässigen Patrizierfamilie von Bismarck, also Vorfahren des Reichsgründers von 1871, die hier dargestellten Prozesse maßgeblich beeinflussten.

 

Seit dem 16. Jahrhundert setzte ein allgemeiner wirtschaftlicher Stillstand ein. 100 Jahre später ruinierten die Folgen des 30-jährigen Krieges die Ergebnisse des bürgerlichen Fleißes und Aufwärtsstrebens. Stendal wurde zu einer Ackerbürgerstadt mit etwas Textilhandwerk und einigen Verwaltungseinrichtungen.

 

Die politischen Meinungsbildung war lange Zeit geprägt von der Schwäche der Wirtschaft und andererseits von der preußischen Staatsmacht. Die Konsequenzen für das kulturelle Leben Stendals waren schlimm. Ein einzelner Lichtblick war die Entfaltung der Talente des jungen Johann Joachim Winckelmann. Dank des Respekts seiner Eltern vor der Begabung und der Strebsamkeit des Sohnes, Dank der pädagogischen Weitsicht des Rektors der Lateinschule und Dank der immer noch erfolgenden Zahlungen aus dem rathäuslichen Stipendium wurde Winckelmann der Begründer der klassischen Archäologie.

 

Erst mit der guten Einbindung Stendals in das deutsche und europäische Eisenbahnnetz änderte sich vieles: Stendal wurde Eisenbahnknotenpunkt, und die Wirtschaft der Altmark konnte durch die günstigen zu größeren Märkten durchaus profitieren. Eine durchgängige Industrialisierung blieb aber aus. Die Altmark lag in dem strukturschwächeren Raum zwischen den Küstenstädten Hannover, Mitteldeutschland und Berlin.

 

Die soziale Struktur der Bevölkerung wurde seit 1850 geprägt durch Beamte, Angestellte und Gewerbetreibende in der Stadt und durch eine stark entwickelte Mittel und Großbauernschaft auf dem flachen Land. Das wirkte sich politisch aus dem Reichstagswahlen: Der Wahlkreis Altmark-Ost entsandte nach dem Mehrheitswahlsystem demzufolge einen nationalliberalen Abgeordneten.

 

Unter den Bedingungen des Verhältniswahlrechts während der Weimarer Republik erhielten die DVP und DDP, die wir als Vorgänger der Liberalen von heute sehen, recht konstant etwa 20% de Stimme.

 

Der Zusammenbruch Deutschlands 1945 und die in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone folgenden annähernd 50 Jahren der Fremdbestimmung dezimieren die Bevölkerungsschichten, die ihre Ideale in liberale Politik verwirklicht sehen wollten.

Unternehmer, Handwerker, Beamte und Bauern begannen in die westlichen Länder abzuwandern.

 

Am 8.9.1946, also vor Beginn dieser Fluchtbewegung, haben die ersten Gemeindewahlen in der Ostzone stattgefunden. Es waren auch die letzten, bei denen sich die Parteien getrennt um die Stimmen der Wähler bemühen mussten.

Stendal wählte sich damals noch eine Stadtverordnetenversammlung in folgender Zusammensetzung:

LDP 17 Sitze
SED 17 Sitze
CDU 6 Sitze

Die LDP stellte auch den Bürgermeister.

Der hohe Anteil und die entsprechende politische Rolle ergab sich nicht nur einfach aus der oben angedeuteten sozialen Struktur. Vielmehr war ihre Partei damals ein Kristallisationskern für bürgerliche Kräfte angesichts des mit allen Mitteln zur politischen Macht drängenden SED.

 

Unter dem Schutz der damaligen Besatzungsmacht wurden noch vor den nächsten Wahlen die bürgerlichen Gruppen und Parteien in der Nationalen Front gleichgeschaltet und diszipliniert.

In der Stadt Stendal wurde die politische Rolle der Parteien entscheidend verändert, indem der liberaldemokratische Oberbürgermeister zur Abdankung gezwungen wurde.

 

Der Verlust der Kreisfreiheit, also die Eingliederung Stendals als Gemeinde in den Landkreis Stendal zum Juli 1950. führte zu strukturellen Änderungen in der Verwaltung, die das völlige Ende der führenden Rolle der LDP in unserer Stadt nach sich zogen.

 

Die Altmärker haben 1989/90 die Wende zur Wiedervereinigung mit dem Gefühl historischer Genugtuung erlebt. Diese freudige Haltung lässt nicht vergessen, dass es ein halbes Jahrhundert der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung nachzuholen galt. Dazu besteht die ererbte allgemeine ökonomisch-geographisch bedingte Strukturschwäche weiter.

 

Es gibt viele ungelöste Aufgaben: Rekonstruktion des Eisenbahnnetzes; der Anschluss Stendals an die transeuropäische und andere Verbindungen könnten eine traditionelle Basis, die seit 1849 bestand, wieder herstellen.

 

Andererseits fehlten ganze Bevölkerungsgruppen: Unternehmer, Kaufleute, vor allem die für die Altmark repräsentative Bauernschaft ist mehr als dezimiert. Der gesamte notwendige Erholungsprozess wird lange dauern. Die traditionsreiche Stendaler FDP ringt durch Einsatz und Leistung im Dienst der Bürger um ihren Platz im politischen Leben.

 

Nach einem Artikel von Dr. Klaus Polte, Mitglied des FDP-Kreisvorstandes Lemgo, in der Mitgliederzeitschrift der Lemgoer Liberalen (1990)



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Einführung

Geschichte als Herausforderung



Die Anfänge:

Ein Gedanke wird zur Bewegung.



In der Weimarer Republik:

Einsatz für Reformen.



Nach dem Krieg:

Stabilität und Dynamik.



Im vereinten Deutschland:

Liberale Akzente im politischen Umbruch.



Ein Blick zurück:

Zeiten und Menschen in Stendal



 


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